Mittwoch, 3. Oktober 2007

Im Busch...









Hallo!

Ende letzter Woche war ich für zwei Tage „en brousse“… im Busch! Meine drei Arbeitskollegen von Jigi, welche für die Wasserprojekte in der Region Kolokani (ca. 120km von Bamako) zuständig sind, haben vier „ihrer“ Dörfer besucht. Dort wurde der Zustand der installierten Brunnen begutachtet, Verbindungen mit den Dorfchefs und anderen Schlüsselpersonen gepflegt, Sensibilisierungs-Schilder neu angebracht etc.. Ich durfte mit und hab alles gefilmt, fotographiert, hunderte Fragen gestellt…

Ich kann wohl kaum beschreiben, was ich da alles gesehen, erfahren, erlebt, gelernt habe! Es war einfach unglaublich eindrücklich! Zudem war der Austausch mit meinen Arbeitskollegen genial und die Begegnungen mit den Dorfbewohnern enorm herzlich! Hier zunächst ein paar Fotos; weiter unten folgen dann noch mehr Informationen…






















Ein paar Informationen und Geschichten…

… zum Projekt

WaterAid als internationaler (britischer) Geldgeber unterstützt ein grossflächiges Wasserversorgungsprojekt in Mali. In verschiedenen Regionen Malis wird die Infrastruktur der Wasserversorgung und –entsorgung verbessert sowie die Bevölkerung sensibilisiert.

Jigi ist zuständig für die WaterAid-Projekte in zwei Bezirken Bamakos sowie in 12 Dörfern rund um Kolokani. Dort wurden Brunnen und Abwässerkanäle gebaut oder die traditionellen Einrichtungen verbessert: die vorhandenen Brunnen werden mit einem Deckel geschlossen, damit Staub und Blätter das Wasser nicht verunreinigen; auch die Latrinen bekommen einen Aufsatz mit Deckel um zu verhindern, dass die vielen Fliegen den direkten Weg zwischen Latrine und Küche nehmen.

Für die Sensibilisierung der Bevölkerung ist ein Animateur Jigis verantwortlich. Er verbringt ca. 14 Tage bei den Leuten in den Dörfern und führt verschiedene Aktivitäten durch. Bei Gemeindeversammlungen, Frauentreffen oder auch bei Hausbesuchen erklärt er, wieso regelmässiges Händewaschen mit Seife .(zumindest vor dem Essen und nach dem Toilettengang)

wichtig ist. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Sauberkeit rund um den Brunnen sowie der Wassertransport zu den Häusern. Häufig werden zum Beispiel die Säcke fürs Wasserholen einfach in den Sand gelegt; das Wasser im Brunnen wird so beim nächsten Wasserholen verschmutzt. Zur Erinnerung; wir sprechen hier von Trinkwasser! Weiter sollte für den Wassertransport ein sauberer, verschliessbarer Behälter verwendet werden…

… zu den Dörfern

Die meisten Männer arbeiten auf den umliegenden Feldern und können so ihre Familien zu einem (nicht ausreichenden Teil) ernähren. Das wenige Kleinvieh wird meistens nicht gegessen, sondern verkauft. Die Frauen verkaufen wenn möglich ein paar Sachen vom Feld sowie selbstgemachte Seife oder Karité-Öl auf dem Markt von Kolokani, um dann wieder andere Produkte wie Salz einzukaufen oder Medikamente zu bezahlen. Wir sahen viele der Frauen auf den sehr abenteuerlichen Wegen zwischen den Dörfern und Kolokani; sie sind für mehrereKilometer zu Fuss unterwegs.

Die wichtigsten Personen im Dorf sind der Dorfchef und der Féticheur. Der Dorfchef trifft alle Entscheidungen; zum Beispiel den Ort für die Sensibilisierungs-Tafeln von Jigi. Der Féticheur ist für das Seelenheil der animistischen Gemeinschaft verantwortlich und muss als Respektsperson auch in die Aktivitäten von Jigi einbezogen werden.










Der ältere Mann auf dem Foto sprach ein bisschen Französisch und lud mich zu sich in den „grain“, den Innenhof der Grossfamilie, ein. Er ist Chef einer 38-köpfigen Familie. Darin enthalten sind seine Ehefrauen, die Söhne sowie deren Frauen und Kinder. Insgesamt seien es 12 Frauen. Er erklärte mir weiter, dass die Mädchen im Alter von 12 bis 15 Jahren verheiratet werden, die Männer zwischen 18 und 22 Jahren.

Wasser ist immer ein wichtiges Thema. Der Stadtpräsident von Kolokani erzählte uns, dass einige Mädchen und deren Eltern eine Ehe mit Männern aus einem bestimmten Dorf verweigerten, weil dort das Wasser immer verschmutzt ist!

… zu meinen Arbeitskollegen











Ich fragte Seni (ganz rechts), den Projektleiter von Jigi, ob ein Besuch im Busch für ihn genauso fremd sei für mich. Er erklärte, dass er und viele der anderen Mitarbeiter von Jigi in eben solchen Verhältnissen aufgewachsen sind. Auch wenn sie jetzt in einem Haus mit fliessendem Wasser und Elektrizität in der Stadt wohnen ist das Leben im Busch nicht allzu weit entfernt. Viele machen zudem regelmässige Besuche im Busch, bei ihren Eltern, Geschwistern und Verwandten. Seni meinte, dass ihm die Arbeit bei Jigi auch daher viel Freude bereite, weil er einerseits die Errungenschaften der letzten Jahre sieht und andererseits so auch etwas dazu betragen kann, die Lebensbedingungen im Busch zu verbessern.

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