Ein etwas müdes "hallo"...
Heute faste ich! Und zwar nach den Regeln des Islams… und die sind ziemlich hart: Vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang darf man essen und trinken; dazwischen gibt's nichts.
Ich bin heute morgen gemeinsam mit meiner Nachbars-Familie um 4 Uhr aufgestanden. Vorsorglicherweise habe ich mal einen Liter Wasser getrunken, bin auf unser Dach gestiegen und habe den frischen Wind, die Sterne und die Dunkelheit genossen. Dann haben wir „gefrühstückt“, d.h. wir haben Fleisch mit Sauce und eine spezielle Art Gebäck gegessen; die Resten vom gestrigen Nachtessen. Die anderen haben sich dann wieder schlafen gelegt; das hat bei mir aber nicht geklappt… nach dem ausgiebigen Essen war mein Körper bereits auf „Normalfunktion“ eingestellt. So habe ich mich halt um 5Uhr morgens ins Büro gesetzt…
Mittlerweilen ist 13.13 Uhr; immer noch über FÜNF Stunden bis ich das Fasten „couper“, schneiden oder abbrechen kann…
Um zehn Uhr morgens ging ich mit ein paar Animateurinnen von Jigi in ein Dorf, um eine Frauengruppe bei einer Mikrofinanz-Aktivität zu filmen und fotographieren. Das war super; erstens bin ich gerne in dem Dorf weil die Frauen mich schon kennen und wir’s immer ganz lustig haben; und zweitens war ich für zwei Stunden so absorbiert, dass ich den Durst und Hunger völlig vergessen habe… Leider habe ich auch das Gefühl, dass ich da trotzdem viel Energie verbraucht habe; und die Hitze, der Durst haben sich jetzt enorm vervielfacht.
Wahrscheinlich fragst du dich nun, weshalb ich das Ganze denn mache, bei dem ganzen Gejammer… J. Für meinen Fastentag habe ich aber zwei gute Gründe:
- Über 90% der Malier sind praktizierende Moslem. Sie leben zwar eine moderate Form des Islams, bei welchem sich die Frauen zum Beispiel nicht verhüllen müssen. Dennoch beten viele Malier (und einige Malierinnen) fünf Mal am Tag; und seit fast einem Monat fasten sie! Der Ramadan hat grosse Auswirkungen auf das Leben in Mali allgemein, denn insbesondere seit Beginn des Fastenmonats werden die Leute immer schwächer; das öffentliche Leben kommt nachmittags praktisch zum Stillstand. Erst abends, nach 18.20 Uhr, wenn alle gegessen haben, ist wieder etwas los! Mit meinem Fastentag zeige ich einerseits meinen Respekt für ihren Willen; andererseits kann ich selber auch besser verstehen, was im Körper so los ist nach einem heissen Tag ohne Essen und Trinken!
- Die Malier selber begründen ihren Willen zum Fasten damit, dass sie das Leben eines Hungernden oder Durstigen besser nachempfinden können und daher auch eher bereit sind ihren Besitz zu teilen. Dies ist meiner Meinung nach ein guter Grund zum Fasten. Ich weiss, dass ich heute abend um 18.20 Uhr wieder fein essen und sauberes Wasser trinken kann! Doch was ist mit den vielen Leuten, auch hier in Mali, die Tag für Tag um ihr Überleben, um Essen und Trinken kämpfen und bangen müssen? Hier noch ein Link zu einem guten Artikeln über die Hungersnot und den Kampf ums Überleben im Norden Malis: http://redcross.ch/data/activities/countries/pdf/54_3_de.pdf
Zum Schluss noch die schöne Seite des heutigen Tages… Fotos von der Frauengruppe!
Viele liebe Grüsse
Sabine
Mikrokredit-Frauengruppe in Kalabam-Bougou






Balayra und Fatim, Arbeitskolleginnen bei Jigi
... Und jetzt ist schon 14.06Uhr!!! Juhui!

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